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3. Clostridium botulinum und Botulismus


„Clostridium botulinum" – wie der BT produzierende Erreger heute bezeichnet wird – ist ein Bakterium, das zu den Sporenbildnern gehört; d.h. es kann sich in eine extrem widerstandsfähige Form (Spore) umwandeln. Als solche kann es unter ungünstigsten Umweltbedingungen (z.B. Wasser-, Nährstoffmangel) dauerhaft existieren. Werden die Umweltbedingungen wieder günstig, keimen die Sporen aus und bilden wieder die aktiven, Toxin-produzierenden Bakterien. Botulinum-Sporen sind in der Natur weit verbreitet und können verschiedene Lebensmittel verunreinigen (Wurst, Fleisch, Fisch, Gemüse, u.a.). Befinden sich solche Lebensmittel in einem sauerstoffarmen, wenig sauren (pH>4,6) und wasserreichen Milieu (z.B. in unzureichend sterilisierten Konservendosen), dann kommt es zu ihrer Auskeimung, zur Vermehrung der Bakterien und zur Produktion des Toxins. Bei Verzehr dieser Nahrung gelangt das Toxin über den Magen-Darm-Trakt in das Blut und von dort u.a. an die motorischen Endplatten der Skelettmuskel (motorische Endplatte=Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskel), wo es letztendlich Lähmungen hervorruft. Ca 12-36 Stunden nach Aufnahme des Toxins kommt es zu Kopf- und Gliederschmerzen, Mundtrockenheit und Erbrechen. Anschließend kommt es zu Lähmungen der Augenmuskeln mit Sehstörungen und Ptose (Lidheberschwäche), zu Lähmungen der Schlundmuskulatur mit Schluckstörungen und Sprechschwierigkeiten, zu Harnverhalt, Verstopfung und Lähmungen von Atem- und Gliedermuskulatur.

Bei Auftreten dieser Symptome lässt sich der Verdacht auf Botulismus durch den Nachweis des Toxins in Serum, Stuhl oder der zuletzt aufgenommenen Nahrung bestätigen. Die Vergiftung kann heute erfolgreich therapiert werden, wenngleich nicht selten intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten erforderlich sind. Im Frühstadium kann ein spezielles „Antitoxin" (Gegengift) verabreicht werden, das jenen Teil des BT neutralisiert, der noch im Blut zirkuliert, d.h. noch nicht in Nervenendigungen aufgenommen wurde. Ansonsten müssen die vitalen Funktionen des Patienten gesichert werden (z.B. Atmung), solange sich das Gift in seinem Körper befindet. Nachdem das Toxin abgebaut bzw. durch das Antitoxin neutralisiert wurde, bilden sich die Symptome wieder zurück, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen.